Troubadour – Modern Minstrels
Gestern (30. Sept.) war es soweit:
Wir spielen unseren ersten Wettbewerb. Troubadour – ein Singer/Songwriter Wettstreit. Es ist die erste von 6 Vorrunden einer inzwischen etablierten und gewachsenen Veranstaltung, die bereits in ihre 6. Saison geht.
Die Regeln sind klar. 6 Songwriter bzw. Bands spielen je zwei Lieder. Zugelassen sind nur akustische Instrumente, elektronische Effekte sind verboten. Die Jury besteht aus 2 Fachleuten und dem Publikum. Die beiden Erstplatzierten kommen ins Halbfinale.
Wir treffen uns am Nachmittag und legen endlich fest, welche beiden Songs wir spielen wollen. Eine Grundanspannung ist schon seit Stunden da. Dann geht‘s los in die Wabe – einer schönen und relativ großen Location in Prenzlauer Berg. Die Techniker sind bereits am Werkeln. Als wir ankommen, haben sie schon fast alles eingerichtet. Für jeden Bereich einer solchen Veranstaltung ist einer da. Wir starten sofort mit dem Soundcheck. Währenddessen wird das Licht eingestellt. Als wir fertig sind, ist es ca. 18:30 Uhr. Die Show beginnt um 9 – noch eine Menge Zeit.
Nach und nach treffen die anderen Musiker ein. Und auch die Initiatorin und Gastgeberin Mckinley Black ist da. Mickinley ist eine amerikanische Songwriterin, die in Berlin lebt. Sie ist sehr offen und freundlich und verbreitet gute Laune. Der Erstkontakt mit unseren Kollegen ist freundschaftlich und locker. Man beschnuppert sich, wie man es auch tun würde, wenn es nicht um einen Wettbewerb ginge. Verbissen scheint hier keiner zu sein.
Wir hören den Kollegen beim Soundcheck zu, und es zeigt sich, dass auch musikalisch ein ordentliches Niveau herrscht. Der Sound im Zuschauerraum ist fantastisch. Ich hoffe, dass es bei uns genauso gut klingt, denn im Ohr habe ich nur unseren Monitorsound von der Bühne. Der war – wie so oft – nicht gerade überzeugend.
Inzwischen wissen wir, dass wir die Startnummer 5 haben, also als Vorletzte spielen.
Mckinley betritt die Bühne spielt einen Song, begrüßt das Publikum und erklärt in ihrem zauberhaften Denglisch das Prozedere des Zuschauervotings. Dann geht es Schlag auf Schlag. Zwei Lieder pro Künstler sind nicht viel. Ich habe das Gefühl, wir rasen durchs Programm. Als die dritte Band anfängt, gehen wir unsere Gitarren holen. Ich komme aus dem Backstage Bereich und sehe auf dem Monitor im Flur, dass bereits Nr. 4 am Start ist. Ich erkundige mich hastig, ob sie den 1. oder 2. Song spielen. Den ersten, ok. Trotzdem krieg ich das leichte Panikgefühl nicht los – vor allem auch deshalb, weil Matthias nicht aus dem Backstage rauskommt. Schließlich ist er doch da. Wir schleichen hinter die Bühne und stimmen die Gitarren. Während Mckinley uns draußen ansagt, schenken wir uns noch einen tiefen Blick.
Dann geht‘s los. Wir stehen im Licht. Die Anspannung ist riesig, und ich weiß bereits, dass hier kaum ein lockeres Gitarrenspiel möglich ist. Wir starten mit The Pariah. Ich versuche über einen aggressiven Gesangsstil Sicherheit zu gewinnen. Es funktioniert ein bißchen. Dann der zweite Song: Not My World. Und fertig.
Bevor wir uns auf der Bühne zurechtgefunden haben, sind wir wieder im Backstage. Wir schauen uns an, schütteln fragend die Köpfe und versuchen zu klären, was eigentlich gerade passiert ist. An den Gesichtern der anderen sehe ich, dass es hier wohl allen so ging. Ein krasses Erlebnis.
Soviel ist mir klar: Wir haben mehr gekämpft als gespielt, aber irgendwie lief es durch. Ich freue mich, dass wir es gemacht haben. Der Ausgang des Wettbewerbs ist mir gerade ziemlich egal.
Nach uns noch eine Teilnehmerin, dann ist Pause für die Abstimmung. Bier, Zigarette und raus.
Plötzlich kommt Mckinley auf uns zwei zu und verkündet uns die Platzierungen. Das ist super. Ich hatte schon befürchtet, wir müssten uns alle wie in einer Casting-Show auf die Bühne stellen und das Fallbeil-Urteil des Gerichts über uns ergehen lassen.
Wir sind Dritte. Das bedeutet Halbfinale verpasst, aber wir haben – wie die beiden Erstplatzierten auch – einen weiteren Song auf der Bühne. Wir schauen uns an und wissen erstmal nicht, was wir jetzt davon halten sollen. Wir wollten vor allem hier spielen. Der Wettstreit war uns relativ egal. Aber so ganz kann man sich doch nicht davon freimachen. Also beschließen wir, uns zu freuen.
Mckinley ist wieder auf der Bühne, spielt einen weiteren Song und kommt zur Ergebnisverkündung. Gekürt werden nur die ersten drei. Wir sind dabei – schön. Wir stehen bereits wieder mit gestimmten Gitarren hinter der Bühne, bereit, jeden Moment rauszugehen. Scheiße – Bottleneck vergessen. Das brauche ich für Dead, Man – unseren dritten Song. Ich reiche Matthias meine Gitarre und brüll-flüstere ihn an: Halt mal! Er schaut mich an. Halt mal!! Nach dem drittenmal greift er zu, und ich hole hektisch das vergessene Utensil. Wir gehen unter dem Applaus für den Drittplatzierten raus. Kurz zuvor waren wir uns einig, dass wir es jetzt mal locker angehen lassen können. Klappt aber wieder nicht richtig. Wir kämpfen uns auch noch durch Dead, Man durch und sind froh, im Finale des Vorausscheids dabei gewesen zu sein. Die beiden Erstplatzierten haben auch noch ihre finalen Auftritte. Hinter der Bühne werden Glückwünsche ausgetauscht. Einigen, die keine erhalten, ist die Enttäuschung nun doch anzumerken.
Nur langsam legt sich die Anspannung, während zwei Gestalten mit Gitarrenkoffern in der Berliner Nacht verschwinden.
Edit Okt. 22 2010: Video hinzugefügt








ich bin stolz auf euch!!!
Oktober 2, 2010 um 5:29 pm