Norwegen-Tour / Teil 5
Nun wieder auf dem Weg zurück kommen wir in Lillesand an, wo unser letztes Konzert – ein Festivalauftritt – stattfinden soll. Wir staunen nicht schlecht, als wir vor der großen Bühne stehen, wo gerade der Soundcheck läuft. Allerdings weiß dort keiner etwas mit unserem Namen anzufangen, und wenig später erfahren wir, dass wir auf einer anderen Bühne spielen werden. Es ist eine kleine Naturbühne, die mit dem eigentlichen Festival nichts zu tun hat, sondern zum Rockeklubbe gehört. Diesem wiederum gehören mehrere Metal-Bands an, die hier parallel zum Festivalauftakt eine Art Werkschau veranstalten. Ich höre der ohrenbetäubenden Musik der etwa 18-jährigen Jungs zu, und je näher unser Auftritt rückt – wir sollen die Letzten sein -, desto mehr neigt sich meine Lust zu spielen gegen Null. Ich habe keine Ahnung, was wir hier verloren haben, und das Publikum wird immer kleiner, denn es besteht im Prinzip nur aus dem Anhang der Metal-Bands, die nun eine nach der anderen fertig werden und abziehen. Doch plötzlich wandelt sich die Stimmung, als, noch bevor wir dran sind, ein kleiner Norweger, nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet, die Bühne betritt. Jetzt erklingen wieder einzelne Töne, die in die Tiefe gehen. Wie er machen auch wir trotz des technischen Chaos unsere Sache ganz gut. Zumindest ist der Verantwortliche beeindruckt und scheint etwas peinlich berührt. Er kauft eine CD, gibt uns zwei Six-Packs und bietet uns seinen Vorgarten zur Übernachtung an. Doch wenige Augenblicke später sitzen wir mit Depui, dem norwegischen Musiker, zusammen, wir mögen uns, und er erzählt etwas von einer Party und seinem Haus. Ich sehe eine neue prächtige Welle kommen, und wir springen auf. Nach nur einer Stunde finden wir uns in irgendeinem Ort in den Bergen wieder, wo wir die nächsten zwei Nächte schlafen. Der Tag dazwischen wird nochmal ein ganz großartiger. Nach dem Frühstück fahren wir mit Bent, so Depui‘s Vorname, samt Grillzeug zum Fischen. Auf dem Weg fahren wir an einer Tanke vorbei, um Tabak zu besorgen. Als Andreas hört, was ich dafür ausgegeben habe, fällt ihm fast ein Ei aus der Hose: es waren mit Papers fast 30 Euro!! Doch es ist nicht der Zeitpunkt, sich lange darüber aufzuregen. Kurz danach sind wir an einem malerischen breiten Fluss, direkt unterhalb wilder Stromschnellen; gegenüber brütet ein Fischadler – es ist einfach traumhaft. Wir fangen nichts, doch das ist nicht wichtig, denn wir fühlen uns wie Könige. Später am Abend – wir haben gerade noch gesehen, wie die Deutschen die Engländer vom Bildschirm fegten – treffen wir uns auf eine spontane Idee hin mit Geir, einem Freund von Bent, um in dessen Studio einen Song aufzunehmen. Cool! Und als wir hören, wie Bent mit seiner herrlich rauhen Whiskey-Stimme eine Spur zu unserem Lied singt, sind wir zum zweiten Mal an diesem Tag beglückt.
Unser Gepäck ist nun randvoll mit Erlebnissen, unsere Herzen prall gefüllt mit neuen Freundschaften. Die Kontakte für eine neue, längere Tour sind geknüpft. Nun kann unsere Norwegen-Tour in Ruhe zu Ende gehen …
Es war schön, Euch davon zu erzählen. Habt vielen Dank fürs Lesen!!!
Wir sehen uns …
Die Tidemore-Brüder













